Stadtpfarrkirche St. Martin

Stadtpfarrkirche St. Martin

Die Kirche

Die Rechteckhalle -  in einer Länge von 62 m, einer Breite von 22 m und ebensolchen Höhe - wird von sieben Paaren schlanker, glatter zylindrischer Säulen getragen. Die aus Ziegel gemauerten Säulen gliedern den langen Raum in drei gleichbreite und gleichhohe Schiffe.

Die Wandfresken stammen aus der Zeit von 1521 bis 1522, wahrscheinlich vom Lauinger Maler und Kirchenpfleger (!) Mathis Reiser. Die neugotische Einrichtung entstand in den Jahren 1880/81, das Gestühl von 1747/48 und das Chorgestühl aus dem Jahre 1768.
An der Westseite befindet sich der Hochgrabsarkophag der Pfalzgräfin Elisabeth (+ 1563) aus dem Jahre 1572. Das Kruzifix von 1520 ist vom Nördlinger Meister Peter Trünklein.

Martinsmünster Innenansicht

Der Glockenturm erreicht eine Höhe von 56 m. An der Ostseite (außen) ist ein Römischer Votivstein angebracht, der dem Apollo Grannus geweiht war - er stammt von der Tempelanlage in Faimingen.

St. Martin Glockenturm

Geschichte

Die Vorgängerkirche, eine romanische Basilika, wurde 1516 ff. durch einen Neubau in verputztem Backstein ersetzt, der wohl von dem Augsburger Baumeister Hans Hieber unter Mitwirkung von Stephan Weyrer d. Ä. entworfen wurde; Weihe 1520. Im folgenden Jahr Schließung der Gewölbe, vgl. Datierung 1521 am mittleren Gewölbejoch. 1560 ff. Ausbau des Turms; vollendet von Hans und Jörg Degeler. 1570 Einbau der Fürstengruft im Chor, 1601 durch Sigmund Doctor erweitert; die 1781 bzw. 1871 daraus entfernten Särge, Gewänder und Schmuckstücke von 1582 - 1664 jetzt im Bayerischen Nationalmuseum, München; Särge z.T. auch im Heimatmuseum. Restaurierung 1985ff.
Da Lauingen Unterresidenz der Pfalz Neuburg war, wechselte Lauingen wie seine damaligen Herrscher mehrfach die Religionszugehörigkeit. 1542 nahm Lauingen auf Befehl des Pfalzgrafen Ottheinrich den evangelischen Glauben an. 1546 belagerte Kaiser Karl V. Lauingen und ordnete nach der Übergabe der Stadt die katholische Glaubensausübung an. 1552 wurde Lauingen mit dem Passauer vertrag an Herzog Ottheinrich zurückgegeben, der erneut den evangelischen Glauben anordnete. In dieser Zeit wurde die damalige Inneneinrichtung der Pfarrkirche ausgeräumt und vernichtet. 1613 trat der pfalz-neuburgische Herrscher Wolfgang Wilhelm zum Katholizismus über und ordnete den erneuten Religionswechsel an. Nach langen Verhandlungen beugten sich die Lauinger, 137 bedeutende evangelische Familien verliessen die Stadt. Im 30-jährigen Krieg rückten am Karfreitag 1632 die protestantischen Schweden in Lauingen ein und setzten wieder ihren Glauben durch. 1634 fiel Lauingen wieder an die Kaiserlichen und Herzog Wolfgang Wilhelm führte erneut den Katholizismus ein. Nach dem 30-jährigen Krieg erfolgte eine Barockisierung des Martinsmünsters, die bis 1880 Bestand hatte.